Im zweiten Teil von »Wir gründen unsere MILA Genossenschaft« widmen wir uns dem Mitbestimmen: Wir teilen hier unsere aktuellen Recherchen und Überlegungen beim Entwerfen unserer Genossenschaftssatzung, umreißen grob den Fahrplan und laden euch zum Mitwirken ein!

Wir haben genossenschaftliche Supermärkte besucht: Im Oktober waren wir bei »Food Hub« in München zu Besuch, im November in Paris bei »Coopérative La Louve« und bei »SuperQuinquin« in Lille. Außerdem haben wir beim »Businesstreff Genossenschaft 2.0« der Wirtschaftsagentur und beim »Entrepreneurship Summit« MILA Mitmach Supermarkt vorgestellt und die Rechtsform Genossenschaft diskutiert.

Jedes Mitglied der MILA Genossenschaft wird drei Rollen haben: Als Mitglied bin ich Eigentümer*in, Mitarbeiter*in und Einkäufer*in in Einem – ich bestimme zweifach mit, wenn ich einkaufe und wenn ich an den Generalversammlungen teilnehme.

Mein Kauf entscheidet mit

Alle genossenschaftlichen Supermärkte eint, dass sie einen einheitlichen stabilen Rohaufschlag auf ihre Produkte haben. Mit Ausnahme verderblicher Ware, wie Obst, Gemüse oder Fleisch, sowie Produktgruppen mit hohem Schwund – auf diese werden ein paar Prozent mehr aufgeschlagen, um den Abfall und Verlust abzufangen. Dieses klare und transparente Gestalten der Preise ermöglicht den Mitgliedern zu vergleichen und bewusst zu entscheiden: Denn mit der eigenen Kaufentscheidung bestimmt jedes Mitglied das Sortiment – was nicht gekauft wird, verschwindet aus den Regalen. Und, es gibt bei allen die Möglichkeit für die Mitglieder neue Produkte vorzuschlagen.

Zum Vergleich: Im konventionellen Handel kostet ein Packerl Milch oder eine Dose Cola wenig – weil die meisten von uns den Preis dafür im Kopf haben und den Preis mühelos und automatisch vergleichen. Bei den anderen Produkten ist der Rohaufschlag höher und oft variabel – und damit für uns beim Einkaufen undurchschaubar. Obendrein gibt es kontinuierlich auf ausgewählte Produkte Rabattaktionen, die uns ins Geschäft locken sollen. Der Rohaufschlag im konventionellen Supermarkt kann zwischen wenigen und mehreren hundert Prozent liegen – teils bis zu 300 Prozent bei »Non-Food«, also allem außer Lebensmitteln.

Diese gelebte Transparenz, übersichtlichere Kalkulation und der Erfolg der bestehenden genossenschaftlichen Supermärkte spricht dafür, dies so auch für MILA zu übernehmen: ein einheitlicher stabiler Rohaufschlag auf alle Produkte mit ein paar Prozent mehr für Verderbliches.

Meine Stimme zählt in der Generalversammlung

Die Genossenschaft bietet verschiedene Modelle zum Mitbestimmen – zwischen denen auch gewechselt werden kann.

Wohl bekanntestes Modell ist: »Ein Kopf, eine Stimme!«. Jede Stimme zählt gleich viel und jedes Mitglied hat genau eine Stimme.

Immer mehr eingesetzt wird in den letzten Jahren das Kurien-Modell: Auch hier gilt grundsätzlich »Ein Kopf, eine Stimme!« nur das zudem die Mitglieder in Gruppen eingeteilt werden – in sogenannte Kurien: Jede Kurie erhält dabei ein bestimmtes Gewicht an der Entscheidung.

Das können beispielsweise drei Kurien sein, die gleich viel Stimmgewicht haben: Die Gründer*innen, die Lieferant*innen und die Kund*innen. Hier trägt jede Kurie zu einem Drittel zu den Entscheidungen in der Generalversammlung bei – unabhängig davon wieviele Menschen in der jeweiligen Kurie mitbestimmen. »UMS EGG, die Dorfgenossenschaft«, ein sozialer Nahversorger mit Lebensmitteln aus der Region, hat dieses Kurien-Modell gewählt.

Das Kurien-Modell kann auch für Partner*innen vorgesehen werden, die den Aufbau finanziell unterstützen. Ein Beispiel dafür ist die Smart Coop Austria mit vier Kurien: Eine Kurie ist für Nicht-Mitglieder, wie die Partnerin »Smart Belgien«, die als Vorreitergenossenschaft den Aufbau unabhängiger Büros in Europa finanziell unterstützt. Die anderen drei Kurien der Smart Coop Austria sind die Gründungsmitglieder, die Nutzer*innen und die Mitarbeiter*innen. Smart Coop Austria ist eine solidarökonomische Genossenschaft und setzt sich für praktische Verbesserungen der Arbeitsbedingungen von Freelancer*innen,  Kreativen und Künstler*innen ein.

Darüber hinaus kann eine Genossenschaft sehr ähnlich wie eine Aktiengesellschaft aufgesetzt und das Stimmengewicht direkt mit der Anzahl der gezeichneten Genossenschaftsanteile verbunden werden: Wer finanzstärker ist hat mehr Mitbestimmungsrecht.

Letzteres, das Aktiengesellschafts-Modell, wollen wir für MILA ausschließen, weil für uns alle Mitglieder gleich viel wert sind. Für MILA soll grundsätzlich das »Ein Kopf, eine Stimme!« Modell vorgesehen werden, dass bei Bedarf mit Kurien erweitert werden kann – wenn es beispielsweise Vorteile für den Aufbau von MILA bietet.

Als wir beim »Businesstreff Genossenschaft 2.0« der Wirtschaftsagentur ansprechen, dass wir für die Genossenschaft auch Kurien überlegen, bekommen wir zwei gegensätzliche Rückmeldungen: Erstens, dass bei stetig wachsender Anzahl von Mitgliedern Schieflage droht, da beispielsweise der nicht größer werdende Kreis der Gründer*innen im Vergleich immer mehr Gewicht erhält. Und, zweitens, Kurien bieten Anreize Partner*innen zu finden und ins Boot zu holen, die finanziell unterstützen.

Bei unseren Vorbildern »Park Slope Food Coop« und »La Louve Coopérative« gilt: Jedes Mitglied hat eine Stimme – zusätzlich hat La Louve Gesellschafter*innen ohne Stimmrecht, denen eine Dividende ausgeschüttet wird. Die Höhe dieser Dividende bestimmen die stimmberechtigten Mitglieder jedes Jahr in der Generalversammlung.

Die Genossenschaft ist die demokratischste Rechtsform in Österreich und daher ideal für MILA: Jede Person kann Mitglied werden, die das MILA-Konzept unterstützt und die Rechte und Pflichten anerkennt – unabhängig der Staatsbürgerschaft. Selbst junge Erwachsene können teilhaben, für Minderjährige muss ein Elternteil zustimmen.

Anfang nächsten Jahres wird es einen ersten Entwurf für die Genossenschaftssatzung geben. Diese wird im Vorstand vorgestellt und diskutiert, ggf. adaptiert, um dann in einer Generalversammlung mit allen interessierten Mitgliedern diskutiert werden.

Mit dieser Beitragsreihe wollen wir unsere Arbeit für euch alle aufbereiten und transparent machen und alle Mitglieder, die gern direkt mitwirken wollen in unsere Arbeitsgruppe »Genossenschaft und Betriebsführung« einladen: bei Interesse bitte einfach an genossenschaft@mila.wien schreiben.

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